Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München

Dieses Buch befindet sich seit 2010 im Programm des Verlages C.H.Beck. Die alte ISBN war 978-3-7846-0535-7, die neue ISBN ist 978-3-406-60740-0.

Georg Trakl: Achtzig Gedichte. Mit einer Einführung von Gunther Kleefeld. textura. 136 Seiten.

Herbstliche Landschaft, Nacht, Verfall, Verwesung, sündige Liebe (Trakl hatte eine engste erotische Beziehung zu seiner Schwester) – die Welt des 1887 in Salzburg geborenen hochsensiblen jungen Dichters ist unheimlich. Er macht, ohne Abitur, ein Apotheker-Praktikum, kann dann Pharmazie studieren. Den Salzburgern gilt er als Exzentriker. «Die Blumen des Bösen» von Charles Baudelaire verzaubern und prägen ihn. Als er seinen eigenen Stil gefunden hat, 1909, schreibt er an einen Freund: «Du kannst Dir nicht leicht vorstellen, welch eine Entzückung einen dahinrafft, wenn alles, was sich einem jahrelang zugedrängt hat und was qualvoll nach einer Erlösung verlangte, so plötzlich und einem unerwartet ans Licht stürmt, freigeworden, freimachend.» Das Hochgefühl hält nicht an. Er hat Freunde und Förderer, aber er kann sich zu keiner Berufsarbeit entschließen, gerät an Alkohol und Drogen. Zu Beginn des Weltkrieges muss er zum Militär, seiner Ausbildung gemäß als «Medikamentenakzessist». Er erlebt das Grauen der Schlacht bei Grodek in Galizien. Das ist zu viel für ihn. Am 10. November 1914 nimmt er sich mit einer Überdosis Kokain das Leben.

Nichts als Abgründe?

Die Abgründe sind immer dicht neben ihm, oder er steckt in ihnen. Aber darüber – oder dahinter – zeigt sich ihm die Schönheit der Welt. Er ahnt, dass es irgendwo ein schönes Menschenbild gibt, ein «erlösendes Haupt». Kann er das mit-hervorbringen durch seine Selbst-Opferung in der Dichtung? So etwas zu denken schlägt Gunther Kleefeld vor, der Herausgeber unseres Buches, einer von vielen, die sich mit Trakl beschäftigt und über ihn geschrieben haben. Einig sind sich die über Lyrik Schreibenden mit den Lyrik-Lesern: Völlig «verstehen» lassen sich Trakls Gedichte nicht. Aber sie sind von einzigartigem poetischen Zauber.

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Rev. 17.11.2014