Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München


Dieses Buch befindet sich seit 2010 im Programm des Verlages C.H.Beck. Die alte ISBN war 978-3-7846-0201-1, die neue ISBN ist 978-3-406-60758-5.

Albert von Schirnding: Vorläufige Ankunft. Roman. 21 x 13,4 cm. 224 Seiten. Fadenheftung. Ganzleinen.

Albert von Schirndings Roman ist keine Schlüssel-Erzählung. Der Ich-Erzähler Kasimir, genannt Miro, ist ein paar Jahrgänge älter als sein Autor, und der Autor war nie, wie sein achtzehnjähriges Roman-Ich, Zögling in einem Internat. Aber natürlich spiegelt sich in der Geschichte vieles, was der Autor miterlebt und beobachtet hat. «Vorläufige Ankunft» spielt in der Nachkriegszeit in einer mittelgroßen süddeutschen Stadt, die leicht als Regensburg zu erkennen ist, aber nicht namentlich genannt wird - so wenig wie Zürich im «Grünen Heinrich».

Der Roman ist als Triptychon aufgebaut.

Der kurze erste Teil («Treppenhaus») berichtet vom ruckartig einsetzenden Protest Miros gegen seine Eltern und deren bayerisch-böhmisch-katholische Adelsgesellschaft.

Der große zweite Teil («Internat») läuft durch ein Schuljahr, von Sommer zu Sommer. Miro wohnt in einer Anstalt, die hohe Bildung bietet und strenge Askese fordert. Die Zöglinge - nur Jungen - besuchen von hier aus das staatliche Gymnasium und haben Verbindung zum bischöflichen Domchor.

Im dritten, wieder kurzen Teil («Rom») wird Miro erwachsen - oder vielmehr: das wird ihm attestiert.

Er selber ahnt, dass der ersehnte und erstrebte Status etwas Vorläufiges ist.

Besonders eindrucksvolle Personen des Romans sind
- ein geliebter pensionierter Schuldirektor, der immer noch mal heimlich zum Unterricht in seine alte Schule kommt
- ein faszinierender moderner Lehrer, der alles transzendente Spekulieren verachtet und zu verachten lehrt
- ein Meister à la Stefan George, der über dem Gewöhnlichen, dem nachweisbar Vorhandenen, etwas Höheres zu suchen verlangt
- ein Chorleiter, der seinen Chor vor Hitler hat singen lassen und heute wie damals nichts als Kunst im Sinn hat
- ein Komponist, der mit den schlimmsten Nazis befreundet war, dessen Werk aber heilig unschuldig schön ist
- ein etwas älterer Mit-Zögling Miros, der sich mutig der pädagogischen Umklammerung entzieht, obwohl auch er ihr viel verdankt
- ein genialer Knaben-Sopran, der fünfzehnjährige Toni, interessant, sympathisch, über weite Strecken des Buchrs geradezu die Hauptgestalt
- Tonis Mutter, Opernsängerin der Weltklasse.

Der Roman «Vorläufige Ankunft» handelt von der Pubertät und spricht auch davon. Seine Besonderheit ist die Einbeziehung von vielem, was außer der Geschlechtsreife auch noch erlebt, geträumt und diskutiert werden kann, wenn man achtzehn ist.

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Rev. 17.11.2014