Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München


Dieses Buch befindet sich seit 2010 im Programm des Verlages C.H.Beck. Die alte ISBN war 978-3-7846-0140-3, die neue ISBN ist 978-3-406-60752-3.

Jochen Missfeldt: Solsbüll. Roman. 404 Seiten. Ganzleinen.

Hans Daiblers Besprechung von Jochen Missfeldts Roman «Solsbüll» in der ZEIT

Dieses Solsbüll rückt Maßstäbe zurecht. Was heutzutage sich so alles «Roman» nennt! Dies ist einer. Eine weit ausgesponnene, welthaltige Familienchronik. Eine kleine Welt, aber sie spiegelt die große. Alltag in Solsbüll, einem Garnisonstädtchen an der Bahn von Flensburg nach Kiel.

Im Mittelpunkt stehen die Hasses, drei Generationen. Großvater Gustav, Tischler, ist 1915 bei Soissons gefallen. Vater Gustav, Automechaniker, ist 1941 vor Moskau geblieben. Enkel Gustav ist der Erzähler. (...)

«Große und normale Zeiten - keine leicht zu überstehen. Aber da sind Tatkraft und Zuversicht der Großmutter Anne und der Tante Gret, die am dritten Gustav, dem Waisenkind, Mutterstellete vertritt. «Sie lächelte jedes Leben an, auch das nicht gut gelungene, ohne Ermächtigung, ohne Worte, auf eigene Faust.»

Anne und später Gret sind die Hebammen in Solsbüll. Unaufdringliche Symbolik. Und auch ein guter Trick, die Leser in viele Familien einzuführen. Erzählt wird mit Gelassenheit, grundsätzlich den Horizont der Leute zu ihrer Zeit wahrend. «Wer im Solsbüller Land... hinter Busch und Buckel wohnt, der sieht nicht weit.»  Gelegentlich etwas Spott oder besänftigender Humor, von der traurig lächelnden Sorte. (...)

Schicksale und Schauplätze werden miteinander verwoben zu einem sich langsam erschließenden Muster. Lange nur beiläufig, treten Erzählstränge plötzlich effektvoll hervor. Wie die verhinderte Liebe zwischen Riewert und Eva sich erfüllt, als zehn Jahre später Riewert Erichsen, nun als Kriegsberichterstatter Rivert Edison, im Rathaus zu Sollsbüll Evas Leiche findet ... Wo habe ich das schon einmal gelesen? Ach ja, anders und doch ähnlich bei Johann Peter Hebel. (...)

Unaufdringlich und schlackenlos ist Missfeldts Sprache, mit genau plazierten Einsprengsein von Umgangsdeutsch, daß man die Kunst der Einfachheit nicht gleich erkennt.(...)

Eine unendliche Geschichte, auch formal. (...) Das Buch wird bleiben.

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Rev. 17.11.2014