Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München


Dieses Buch befindet sich seit 2010 im Programm des Verlages C.H.Beck. Die alte ISBN war 978-3-7846-0556-2, die neue ISBN ist 978-3-406-60730-1.

Richard Leising nach Carlo Gozzi: Der Rabe. Tragikomische Legende. Mit einem Theaterbericht von Berndt Renne sowie mit Texten von E.T.A. Hoffmann und den Brüdern Grimm. textura. 128 Seiten.

Dieses Buch haben wir uns zum hundertjährigen Verlagsjubiläum (2006) geleistet. Und zum Vergnügen der Freunde aparter literarischer Funde. Und zu Ehren unseres Autors Richard Leising (1934–1997). Es ist seine Adaptation eines Märchentheaterstücks von Carlo Gozzi (1720-1806), das heißt: der Übersetzung dieses Stückes durch Friedrich August Clemens Werthes (1748–1817).

Zur theatergeschichtlichen Orientierung: Die Commedia dell’arte mit ihren im Grunde immer gleichen «Masken» d.h. Typen war im 18. Jahrhundert etwas abgespielt. Da kam frischer Wind aus verschiedenen Richtungen, in Italien aus zweien: Carlo Goldoni brachte anstelle der «Masken» psychologisch glaubwürdige Charaktere auf die Bühne. Carlo Gozzi dagegen stellte den «Masken» bedeutsame Märchengestalten zur Seite. Beide einander heftig befehdende Autoren haben weit in die Zukunft gewirkt. Goldoni offensichtlich. Gozzi wirklich auch? Nun, man mag an die «Zauberflöte» denken, an Nestroy und Raimund und an den «Freischütz».

Beim «Raben» geht es darum, dass zwei menschliche Verantwortlichkeiten miteinander in Konflikt geraten. Die Bruderliebe und die Gattenliebe. Der Konflikt ist nur durch eine Selbst-Opferung zu lösen oder – die Leute wollen ja nicht verzweifelt, sondern begütigt nach Hause gehen – durch einen deus ex machina.

Der Stoff, möglicherweise orientalischen Ursprungs, ist durch den «Pentamerone» des Giambattista Basile (Mitte 17.Jh.) bekanntgeworden, d.h. da wird Gozzi ihn gefunden haben. Später, nach Gozzi, haben ihn aufgegriffen: erstens E.T.A. Hoffmann, der ihn in den «Serapionsbrüdern» erzählen lässt; zweitens die Brüder Grimm, die daraus das Märchen «Der treue Johannes» gestaltet haben, moralisch und sprachlich ganz wunderbar. Beide Texte stehen in unserer Ausgabe. Sie enthält eine dritte Beigabe: Berndt Rennes Bericht von seiner Inszenierung des Leising’schen «Raben» mit Henry Hübchen, an der Ostberliner Volksbühne 1981, die wegen einer improvisierten politischen Unbotmäßigkeit einen Wirbel auslöste.

Noch zu Richard Leising: Wir haben im Programm die zwei kleinen Bücher, die bis auf weiteres seine Gesammelten Werke ausmachen. (Er hat eine Menge Geschriebenes hinterlassen, wollte aber nicht weiteres publiziert haben. Das ist ein Brocken für den Verlag. Es ist nicht «als Literatur», aber als menschliches und zeitgeschichtliches Dokument bedeutend.) Die erschienenen Bücher heißen: Gebrochen deutsch und Die Rotzfahne. Sie sind dünner als die meisten textura-Bände, aber, das war ein sehnlicher Wunsch des Autors, in Leinen gebunden.

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Rev. 12.11.2014