Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München

Dieses Buch befindet sich seit 2010 im Programm des Verlages C.H.Beck. Die alte ISBN war 978-3-7846-0547-0, die neue ISBN ist 978-3-406-60728-8.

Albrecht Haushofer: Moabiter Sonette. Nach der Originalhandschrift herausgegeben von Amelie von Graevenitz. Biographisches Nachwort von Ursula Laack. textura. 128 Seiten.

Albrecht Haushofer, 1903–1945, konservativ elitär aufgewachsen, weltbürgerlich gebildet, als Wissenschaftler (Geographie und Außenpolitik) mit Skrupeln im Dienst des NS-Staates, schloss sich dem Widerstand an, wurde nach dem 20. Juli 1944 gefangengenommen und in den letzten Tagen des Krieges von einem SS-Kommando erschossen. Seine in der Haft in Berlin-Moabit geschriebenen achtzig Sonette sind ein bewegendes kritisches und selbstkritisches Zeit-Zeugnis.

(...)
Ich klage mich in meinem Herzen an:
Ich habe mein Gewissen lang betrogen,
Ich hab mich selbst und andere belogen –
Ich kannte früh des Jammers ganze Bahn.
Ich hab gewarnt – nicht hart genug und klar!
Und heute weiß ich, was ich schuldig war.

Sonette werden von vielen heutigen Lesern als etwas Starres empfunden: die strenge Form, und dazu passend die Inhalte und Moralitäten. Wir sagen nicht, dass die «Moabiter Sonette» diese Bedenken zerstreuen können (wie Rilkes formal freiere – dabei weit schwierigere – «Sonette an Orpheus» oder die fast spielerischen von Cummings). Die «Moabiter Sonette» sind poetische Handwerkskunst eines Spätgeborenen, der seine menschlichen Bindungen, seine Reisen, seine Lektüre, seine Bestrebungen und Hoffnungen «Revue passieren lässt». Ihre große Würde verleiht ihnen der Ernst der Lage, in der sie geschrieben und die einzigartige Situation, in der sie aufgefunden worden sind: zwei Wochen nach Kriegsende, auf einem Trümmergrundstück, wo Haushofer mit zwölf anderen Erschossenen lag; seine Hand hielt die Manuskript-Blätter in der Manteltasche umklammert.

Die Anmerkungen der Herausgeberin klären sachliche Details der Gedichte. Das Nachwort klärt die politisch-geschichtlich-biographischen Zusammenhänge.

In unserem Verlag ist auch, herausgegeben von der Ernst Freiberger Stiftung, eine große Bildbiografie erschienen Ernst Haiger / Amelie Ihering / Carl Friedrich von Weizsäcker: Albrecht Haushofer. Auch dieses Buch ist jetzt im Programm des Verlages C.H.Beck.

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Rev. 12.11.2014