Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München

Dieses Buch befindet sich seit 2010 im Programm des Verlages C.H.Beck. Die alte ISBN war 978-3-7846-0502-9, die neue ISBN ist 978-3-406-60727-1.

Malaiische Liebeslieder. Deutsche Originalausgabe mit Golls französischen Fassungen. textura. 144 Seiten.

Diese Gedichte hat Ivan Goll (1891-1950) in den Jahren 1932 bis 1934 für Paula Ludwig (1900-1974) geschrieben. Er hat sie selbst ins Französische übertragen und 1934 in Paris herausgebracht: Chansons Malaises; Chansons de Manyana, Jeune Fille Malaise. Man hat diese Gedichte weltweit für echte malaiische Volksliteratur gehalten, so (scheinbar) einfach sind sie.

Das deutsche Originalmanuskript nahm Paula Ludwig mit nach Paris, als sie 1938 aus dem annektierten Österreich dorthin ging. Dorthin: zu ihm. 1940 flüchtete sie nach Spanien, Portugal, Brasilien, unter Zurücklassung ihrer Habe, worin sich das Manuskript befand. Das Ehepaar Ivan & Claire Goll war kurz zuvor nach den USA emigriert. Lang nach dem Kriegsende, 1966, entdeckten die einstigen pariser Gastgeber beim Aufräumen das Manuskript. In äußerst komplizierten Verhandlungen mit der seit 1950 verwitweten Claire gelang es, die deutsche (genau: deutsch-französische) Ausgabe zustandezubringen.

Die «Malaiischen Liebeslieder» sind ein einfaches und zugleich kunstvolles Verwandlungs- oder Verkleidungs-Spiel der Liebe. Erstens: Der Dichter ist ein Mann - aber die Gedichte werden von einem Mädchen, einer jungen Frau gesprochen. Der geliebte Häuptling oder Held ist «Palu», das heißt: Paula Ludwig. Man mag an den Prinzen Yussuf denken, als den der junge Franz Marc seine angebetete Else Lasker-Schüler tituliert hat. Zweitens: Die Szenerie ist der Ferne Osten. Verkleidungen und Entrückungen gab es in der Poesie schon immer. In der späten Antike und dann im 16., 17. und noch 18. Jahrhundert war eine erdachte oder ausgemalte arkadische Landschaft ein beliebter Rahmen für das Liebesgeschehen, und Schäfer und Schäferinnen waren das handelnde resp. spielende Personal. Goethe stellt seinen «West-östlichen Divan» in eine persisch-arabische Garten-Architektur, sozusagen. (Man könnte unentwegt weiter aufzählen.)

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Rev. 12.11.2014