Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München


Paul Ernst: Komödiantengeschichten. Mit Pinselzeichnungen von Ina Seeberg. textura. 168 Seiten. ISBN 978-3-7846-0514-2.

Die «Komödiantengeschichten» von Paul Ernst sind ein Vergnügen – ein höheres – für Theaterleute und Theaternarren. Der Autor war 1911/12 Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus. Das unbürgerliche Schauspielerleben faszinierte ihn: Armut und Begeisterung, Durchwursteln und Großmauligkeit, Sentimentalität und Sachlichkeit, und natürlich die Liebe, heftig und vergänglich, gespielt oder echt. Und so schrieb er dreißig Kurzgeschichten aus dieser Welt. Da er andererseits als Literat gerade mit italienischen Novellen der Spätrenaissance befasst war, kostümierte und benannte er sein Personal nach Art der Commedia dell’arte um 1600.

Gewiss: In seiner Lust an der Verkleidung schreibt Paul Ernst manchmal etwas manieriert: «Lelio liebt Isabellen» (statt «Isabelle») oder «härter wie die Mauern der Stadt» (statt «als die Mauern»). Aber auch Heinrich von Kleist schrieb anders, als man zu seiner Zeit normalerweise redete, von Thomas Mann ganz zu schweigen. Die gewisse Gewolltheit wird aufgewogen durch sprudelnde Einfälle (was wird hier an Kolorit «Rom um 1600» mit leichter Hand eingestreut!) und durch aktuelle, das heißt: heiter anachronistische Sottisen. Gleich liebevoll neckt er Christen und Juden, mokiert er sich über Beamte und Geistliche, veräppelt er die gelegentlich am Rande auftauchenden Deutschen.

Die Pinselzeichnungen von Ina Seeberg sind nicht bildliche Wiederholung, sondern Umspielung des Erzählten. Mal eine oder zwei Figurinen in angedeutet historischem Gewand, mal die Andeutung eines Innenraums oder einer Fassade mit leichthin getuschten Gestalten darin oder davor: Anmutige moderne Illustrationskunst. Sowas gibt’s gegenwärtig nicht oft.

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Rev. 12.11.2014