Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München


Dieses Buch befindet sich seit 2010 im Programm des Verlages C.H.Beck. Die alte ISBN war 978-3-7846-0562-3, die neue ISBN ist 978-3-406-60725-7.

Lorenzo Da Ponte: Le nozze di Figaro ossia La folle giornata / Figaros Hochzeit oder Der tolle Tag. Italienisch und deutsch. Übersetzung von Ragni Maria Gschwend. textura. 160 Seiten.

Das Libretto dieser Mozart-Oper wurde in den vergangenen zweihundert Jahren immer wieder neu ins Deutsche übersetzt - ein Thema, über das Ragni Maria Gschwend, Opernfreundin und Italiensch-Übersetzerin, ein ganzes Buch verfasst hat (Figaros Flehn & Flattern; Mozart in den Fängen seiner Übersetzer; 2006 Straelener Manuskriptverlag). Ihre eigene Übersetzung, die hier erstmals veröffentlicht wird, unterscheidet sich von den bisherigen vor allem dadurch, dass sie nicht gereimt ist. So kann sie oft näher am Wortlaut und Wortwitz bleiben. Denn wie hatte schon Mozart selbst 1781 an seinen Vater geschrieben? «Verse sind wohl für die Musik das Unentbehrlichste, aber Reime des Reimens wegen das Schädlichste.»
Die Übersetzung von Ragni Maria Gschwend lässt sich nicht nur lesen (sie ist wunderbar zu lesen!) sondern auch singen. Versuchen Sie es doch mal: Wenn unser Gräflein Lust hat zu tanzen, / Meine Gitarre schlag ich dazu...

Eine zweite Werkstattnotiz zu Da Ponte: Figaros Hochzeit

Mit Operntexten ist es, höflich gesagt, so eine Sache. Weniger höflich gesagt: sie sind oft etwas peinlich. Die Story mag gut sein. Aber der Wortlaut. Jedenfalls wenn es sich um eine Übersetzung handelt. (Sonst auch, aber hier gehts um Übersetzungen.) Manche Opernhäuser behelfen sich damit, dass sie Opern in der Originalsprache singen lassen, also Figaros Hochzeit auf italienisch. Das hat den Vorteil, dass die, sagen wir, Amerikanerin, die den Part der Gräfin Almaviva, und die Russin, die den der Susanna zu singen hat, nicht einen mäßig guten deutschen Text erlernen müssen, den sie doch nur mit Akzent sprechen und singen können. Aber das Verfahren geht zu Lasten des Publikums. Wie viele von den, sagen wir, achthundert Menschen, die da schauen und lauschen, können genug Italienisch, um dem Text bis in seine Feinheiten zu folgen? Achtzig? Oder eher nur acht? Und die siebenhundertzwanzig resp. siebenhundertzweiundneunzig? Die müssen mit den auf die Wand über der Bühne projizierten Zeilen vorlieb nehmen. Da wissen sie immerhin: Aha, jetzt schmiedet Figaro einen frechen Plan. Oder: Aha, die beiden Hausangestellten keifen sich gegenseitig an. Oder: Aha, Cherubino weiß nicht, wohin mit seiner Männlichkeit. Also: Rudimente. Klar, das Publikum ist hier wegen Mozart und wegen der schönen Stimmen. Das ist und bleibt gewiss die Hauptsache. Aber soll es alles sein?

Apropos Opernstories. Wir haben ein schönes Buch mit dem Titel «Deckname Orpheus; Opernspiele». Der Autor, Jochen Missfeldt, Erzähler von Gottes Gnaden, ist ein Kenner und Liebhaber von Opern, sowohl der Musik als auch der Stories. Er hat zu zwölf Opern, die oft auf den Spielplänen stehen, Geschichten geschrieben, die Teile des Stoffes aufgreifen und damit in anderer Szenerie und mit anderem Personal agieren. Anders, aber irgendwie ähnlich. Das ist ein lustiges oder groteskes und manchmal überaus poetisches Spiel.

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Rev. 12.11.2014