Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München


Dieses Buch befindet sich seit 2010 im Programm des Verlages C.H.Beck. Die alte ISBN war 978-3-7846-0558-6, die neue ISBN ist 978-3-406-60721-9.

Giacomo Casanova: Meine Flucht aus den Bleikammern von Venedig. Aus dem Französischen von Ulrich Friedrich Müller und Kristian Wachinger. textura. 160 Seiten.

In seiner Heimatstadt Venedig war der dreißigjährige Tunichtgut Casanova obrigkeitlich belangt und am 25. Juli 1755 ins Staatsgefängnis im Dogenpalast geworfen worden. Mit fabelhafter Geduld, überlegener Intelligenz und bewundernswerter Kühnheit gelang ihm am 1. November 1756 der Ausbruch.

Dreißig Jahre später hat er die Geschichte aufgezeichnet und herausgebracht, Jahre vor der Niederschrift seiner vielbändigen Memoiren und Jahrzehnte vor deren Publikation.

Nach seiner Flucht ging er nach Paris. Von dort schreibt am 8. Januar 1759 die (möglicherweise auch nicht völlig seriöse) Justinienne Wynne an ihren venezianischen Liebhaber Andrea Memmo:

«Neulich saß in der Loge neben uns der berühmte Casanova. Er erkannte uns und kam herüber. Jetzt ist er täglich bei uns, obwohl mir seine Gesellschaft nicht zusagt. Casanova hat eine Equipage und Diener und ist prächtig gekleidet. Er hat zwei sehr schöne Brillantringe, zwei verschiedene Uhren von erlesenem Geschmack und goldene Dosen, und er trägt immer Spitzen. Er hat, ich weiß nicht wie, Zugang zu allen Häusern der Pariser Gesellschaft. Er behauptet, er sei Teilhaber einer Lotterie, und rühmt sich, dass ihm das viel einbringe. Aber mir wurde auch gesagt, er werde von einer reichen alten Dame ausgehalten. Er ist ungeheuer von sich eingenommen und auf lächerliche Weise eitel, kurz: er ist unausstehlich – außer er spricht von seiner Flucht aus den Bleikammern, die er ganz wunderbar erzählt.»

Giacomo Casanova, 1725 in Venedig geboren, selbsternannter «Chevalier de Seingalt», reiste als Abenteurer, Salonlöwe und verführerischer Liebhaber kreuz und quer durch fast ganz Europa. Als er sechzig Jahre alt war, wurde er Bibliothekar beim Grafen Waldstein auf dem Schloss Dux in Böhmen, wo er – in der Sprache der Weltbürger: auf französisch – seine Bücher schrieb und 1789 starb.

Casanovas Fluchtgeschichte ist nicht nur äußerst spannend und bühnenreif dramatisch, sondern auch – durch das, was nebenbei alles vorkommt – ungeheuer interessant: Man meint das 18. Jahrhundert in der Nussschale vor sich zu haben.

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Rev. 10.11.2014