Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München


Clemens Brentano: Fünfzig Gedichte. Einführung von Claudia Mertz-Rychner. textura. 120 Seiten. 12 Euro. ISBN 978-3-7846-0531-9.

Clemens Brentano, 1778–1842, ist einer der Begründer der Romantik – Eckart Henscheid nennt ihn «romantisches Urgestein». Das war er, gewiss. Aber richtig klug wird niemand aus ihm. Sein jüngerer Kollege Joseph von Eichendorff erlebte ihn «… wie ein Gedicht, das nach Art der Volkslieder oft unbeschreiblich rührend, plötzlich und ohne sichtbaren Übergang in sein Gegenteil umschlug und sich beständig in überraschenden Sprüngen bewegte. Der Grundton war eigentlich eine tiefe, fast weiche Sentimentalität, die er aber gründlich verachtete, eine angeborene Genialität, die er selbst keineswegs respektierte… Klein, gewandt und südlichen Ausdrucks, mit wunderbar schönen, fast geisterhaften Augen war er wahrhaft zauberisch, wenn er selbstkomponierte Lieder oft aus dem Stegreif zur Gitarre sang.»

Auch Claudia Mertz-Rychner (in ihrem Nachwort zu unserem Band) kann den wunderlichen Dichter nicht handlich einordnen. Aber sie bewirkt, dass man sich für ihn interessiert. Vielleicht käme man ihm in seiner Prosa eher nahe, in den witzig sich überkugelnden Rheinmärchen oder in der herzzerreißenden «Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl». (Nahe sind ihm alle Deutschen, oft ohne es zu wissen, durch die Volksliedsammlung «Des Knaben Wunderhorn», die Clemens Brentano zusammen mit seinem Freund und Schwager Achim von Arnim herausgegeben hat.)

Aber hier geht es um seine Gedichte. Fünfzig von vielen hundert stehen in unserem Band. Einige sind von hohem Rang und unvergesslich. Andere sind einfach liebenswürdig. Manche sind auch nur («nur») als Zeugnisse einer seltsam unruhigen Sinn-Suche interessant. Mehreren flicht er wie einen Zauberspruch diesen Zweizeiler ein:

O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit.

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Rev. 10.11.2014