Langewiesche-Brandt Ebenhausen bei München

Aus dem Nachwort von Maria Joao Borges

Sophia de Mello Breyner Andresen, aus aristokratischer Familie stammend, wurde am 6. November 1919 in Porto geboren. Von ihrem dänischen Großvater hatte sie den an letzter Stelle stehenden Nachnamen, den sie außerhalb von Portugal gern wegließ, damit man dort keine unzutreffende Zugehörigkeit vermutete. Wer die Autorin in Verzeichnissen und Nachschlagewerken sucht, muss unter A, B und M nachsehen.

Sophia, wie sie in Portugal kurzerhand genannt wird, studierte Klassische Philologie in Lissabon, wo sie seit 1946 lebte. Sie war Mitarbeiterin verschiedener Zeitschriften, besonders mit Artikeln über Poesie und Malerei. Sie war verheiratet mit dem Rechtsanwalt Francisco de Sousa Taveres und war die Mutter seiner fünf Kinder. Während der Salazar-Diktatur stand sie an der Seite ihres Mannes, der ein namhafter Regimekritiker war, und erhob ihre Stimme für Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Nach dem Umsturz vom 25. April 1974 war sie kurze Zeit Mitglied der Verfassunggebenden Versammlung für die Sozialistische Partei.

Sophia gehörte zum Umkreis der Zeitschrift «Cadernos de Poesia», die in den vierziger Jahren Dichter um sich scharte, denen eine Poesie, die von außer-ästhetischen Kriterien bestimmt war, nicht genügte. Aufmerksam verfolgten diese Autoren die von Pound und Eliot geprägte angelsächsische Lyrik und die der spanischen «Generation von 1927». Für diese Dichter bedeutete Poesie Arbeit an der Sprache und Auslotung aller Dimensionen der Dinge und der Bilder.

Seit 1944 hat Sophia 14 Gedichtbände veröffentlicht (den letzten 1997), mehrere Erzählungen (darunter einige für Kinder) und Übersetzungen von Dante, Shakespeare und Claudel. Unter ihren Essays ist besonders der über das Nackte im klassichen Altertum hervorzuheben.

Sophia wurde mit etlichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 1999 mit dem Prémio Camoes, dem größten Literaturpreis der portugiesischsprachigen Welt. Sie ist in Portugal seit langem, inzwischen aber auch international, als eine der großen Stimmen der zeitgenössischen Poesie anerkannt.

Am 2. Juli 2004 ist Sophia in Lissabon im Alter von 84 Jahren gestorben. Ihr zu Ehren erhielt 2009 einer der schönsten Aussichtspunkte von Lissabon, der «Miradouro da Graca» - unweit ihrer Wohnung - ihren Namen, und es wurde dort eine Tafel mit ihrem Gedicht «Lisboa» angebracht.

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Rev. 10.11.2014